Der Umgang der Lokalredaktion der
SZ-Wangen mit einem Leserbrief über den „i-Punkt“,
und die Reaktion des Briefschreibers.
3. März 2010: Stellungnahme
des Gemeinderats zum Haushalt 2010. Die Mitglieder des Gemeinderats haben ihren
Willen zum Sparen bekundet!
SZ-Datum: 03.03.2010
Gemeinderat
Wangen
- Es ging ums Sparen...
CDU will
Gelder streichen
... Bei „gigantischen Projekten“ wie der Entwicklung von Adler- und Erba-Gelände sei eine „sorgfältigste, vorausschauende und
der finanziellen Lage angepasste“ Planung wichtig.
Freie
Wähler: Beiträge erhöhen
... Alle für das Jahr 2010 geplanten
Baumaßnahmen sollten vor Auftragsvergabe erneut zur Diskussion gestellt werden.
GOL für
kostenlose Betreuung
... „Es gilt, Flagge zu zeigen und das Geld
da zu holen, wo es sich anhäuft.“
SPD hat
Prioritätenliste
... dass Neuinvestitionen gründlich überlegt
und solide finanziert sein sollten.
Das Gesagte lässt sich mit der
folgenden Geschichte nicht vereinbaren:
Am Mittwoch den 10.
März auf der Website der Stadt Wangen folgender Tagesordnungspunkt zur Sitzung
am Montag den 15. März 2010:
Neubau einer WC-Anlage
mit Informationsstelle für Rad- und Bustourismus (i-Punkt).
Das hat mich veranlasst, am
selben Tag zu diesem Thema einen Leserbrief (Text siehe unten) zu schreiben.
Nachdem der Brief am Freitag noch nicht veröffentlicht war, habe ich bei der
Redaktion der SZ angerufen.
Freitag 12. März 2010. Circa
10:30 Uhr Anruf bei der SZ.
Gespräch mit Frau Müller
von der SZ Redaktion. Laut Auskunft von Herr Klose beziehe sich der Leserbrief
auf ein Thema das schon längere Zeit zurück liegt, und aus diesem Grund nicht
veröffentlicht wird. Ich habe der Redakteurin
erklärt, dass es sich um die neuerliche Vorlage des Antrags handelt. Sie
sagt, dass Herr Klose über die Veröffentlichung entscheiden wird.
Der Leserbrief war auch am
darauf folgenden Montag noch nicht veröffentlicht. Warum wohl?
Daraufhin
habe ich am Montag 15. März 2010 eine E-Mail an alle
Mitglieder des Gemeinderats geschickt (so weit E-Mail-Adressen verfügbar sind),
mit folgendem Inhalt:
Betreff: Neubau einer WC-Anlage mit Informationsstelle für
Rad- und Bustourismus (i-Punkt).
Sehr geehrte Frau Gemeinderat, sehr geehrter Herr
Gemeinderat,
am Mittwoch, den 10. März 2010, habe ich per E-Mail den
unten stehenden Text zur Veröffentlichung als Leserbrief an die Lokalredaktion
der Schwäbischen Zeitung geschickt. Nachdem der Brief bis heute, Montag 15. März 2010, nicht
veröffentlicht wurde, möchte ich Sie, als gewählte Vertreter der Bürgerschaft,
davon unterrichten.
Ich habe diesbezüglich
schon mehrfach schlechte Erfahrungen gemacht, und deshalb bereits
vergangenen Freitag bei der Redaktion telefonisch nachgefragt. Ich erhielt von
einer Redakteurin die Auskunft, dass nach Meinung von Herrn Klose der
Leserbrief sich auf ein Thema beziehe, das schon längere Zeit zurück liegt, und
man deshalb den Brief nicht veröffentlicht. Ich habe der Redakteurin erklärt, dass es sich um die neuerliche
Vorlage des Antrags handelt. Darauf sagte sie, dass Herr Klose über die
Veröffentlichung entscheiden wird.
Dieses Verhalten der Wangener Redaktion ist bemerkenswert,
aber nicht ungewöhnlich. Interessant wäre es zu erfahren, wovon sich die
Redakteure bei ihrer Meinungsbildung leiten lassen, und warum sie nicht den Mut
haben, die anders lautende Meinung eines Bürgers zu veröffentlichen!
Die Einschätzung des
Chefredakteurs Christian Klose in seinem Kommentar vom
14. August 2009 in der SZ: Wer nach Wangen
kommt, wird künftig auf dem P 14 professionell empfangen. Und: ...Der I-Punkt
ist eine rundum gute Idee.
Bemerkenswert: ich
habe nur von einem einzigen Gemeinderatsmitglied eine Antwort erhalten!
Der nicht veröffentlichte Leserbrief vom 10. März
2010:
Neubau einer WC-Anlage mit Informationsstelle für Rad- und
Bustourismus (i-Punkt).
In der Gemeinderatssitzung am 23.11.2009 betraf der Tagesordnungspunkt
6 den Neubau des so genannten „i-Punktes“. Der genaue Inhalt des Antrages kann
über die Website der Stadt Wangen in Erfahrung gebracht werden. Ein Bericht
über die ganze Angelegenheit war zwei Tage später in der SZ zu lesen. Darin
stand unter anderem, dass „die Räte mehrheitlich an der Notwendigkeit
zweifelten“, und „Wir ziehen zurück und bringen das Thema bei der nächsten oder
übernächsten Sitzung noch einmal auf die Tagesordnung“, sagte Oberbürgermeister
Michael Lang.
Nun wird diese Angelegenheit an der kommenden Sitzung am 15.3.2010
wieder zur Abstimmung vorgelegt. Die „überarbeitete Planung“ sieht vor, dass
auf das ursprünglich vorgesehene zusätzliche Duschangebot „zu Gunsten“ einer
weiteren Toilette, für die bisher keinerlei Notwendigkeit bestand, verzichtet
wird. Die Radboxen (Alleinstellungsmerkmal: Vergleichbare Einrichtungen gibt es
in dieser Form im großen regionalen Einzugsbereich bisher nicht) müssen dazu
herhalten, dass die Gesamtkosten zur Hälfte bezuschusst werden. Die
ursprünglichen Gesamtkosten in Höhe von 250.000 € sind die gleichen geblieben.
In der neuen Vorlage sind jährliche Reinigungskosten von 14.000 € enthalten.
Die Konstruktion der Finanzierung kann detailliert auf der Website der Stadt
Wangen, unter „Gemeinderatssitzungen“, auf einer PDF-Datei
eingesehen werden.
Die Räte haben ursprünglich mehrheitlich an der
Notwendigkeit dieser Anlage gezweifelt. Ein Gemeinderat machte die Aussage:
„Bestimmt habe ich in 20 Jahren Gemeinderatstätigkeit schon größere Fehler
gemacht als dem „i-Punkt“ zuzustimmen“, womit er eingesteht, dass die
Zustimmung ein Fehler wäre. Daran kann doch die Umwandlung der Dusche in eine
unnötige Toilette sicher nichts ändern. Und ob eine so
genannte „Gästeamt-Info-Stelle“, einige 100 m vom neuen Gästeamt entfernt,
notwendig ist, das darf bezweifelt werden! Da hätte ein Hinweisschild genügt.
Die Bürger, die das alles einschließlich der Zuschüsse zu
finanzieren haben, werden unbedingt die Toiletten für notwendig erachten. Berechtigte
Zweifel sind aber an dem Gesamtkonzept mit Sicherheit angebracht.
Und unsere Gemeinderäte haben schon bei der Verabschiedung
des Haushalts 2010 erkennen lassen, dass sie bereit sind auch einmal nein zu
sagen!
Der Leserbrief wurde dann am Dienstag den 16.
März 2010, einen Tag nach der betreffenden
Gemeinderatssitzung, wie folgt veröffentlicht:
Weiter unten der SZ-Bericht und der SZ-Kommentar
vom Donnerstag den 18. März. In dem Kommentar sind meines Erachtens interessante
Überlegungen enthalten.

SZ-Datum: 16.03.2010
Leserbrief
I-Punkt: Ein Hinweisschild genügt
In der Gemeinderatssitzung am 23. November ging es um den Neubau des
„I-Punktes“. Ein Bericht über die ganze Angelegenheit war zwei Tage später in
der SZ zu lesen. Darin stand unter anderem, dass „die Räte mehrheitlich an der
Notwendigkeit zweifelten“, und Oberbürgermeister Michael Lang sagte: „Wir
ziehen zurück und bringen das Thema bei der nächsten oder übernächsten Sitzung
noch einmal auf die Tagesordnung.“
Nun wurde diese Angelegenheit wieder zur Abstimmung vorgelegt. Die „überarbeitete
Planung“ sieht vor, dass auf das ursprünglich vorgesehene zusätzliche
Duschangebot „zu Gunsten“ einer weiteren Toilette, für die bisher keinerlei
Notwendigkeit bestand, verzichtet wird. Die Radboxen (Alleinstellungsmerkmal:
Vergleichbare Einrichtungen gibt es in dieser Form im großen regionalen
Einzugsbereich bisher nicht) müssen dazu herhalten, dass die Gesamtkosten zur
Hälfte bezuschusst werden. Die ursprünglichen Gesamtkosten in Höhe von 250 000
Euro sind die gleichen geblieben. In der neuen Vorlage sind jährliche
Reinigungskosten von 14000 Euro enthalten.
Die Räte haben ursprünglich mehrheitlich an der Notwendigkeit dieser Anlage
gezweifelt. Ein Gemeinderat machte die Aussage: „Bestimmt habe ich in 20 Jahren
Gemeinderatstätigkeit schon größere Fehler gemacht als dem „I-Punkt“
zuzustimmen“, womit er eingesteht, dass die Zustimmung ein Fehler wäre. Daran
kann doch die Umwandlung der Dusche in eine unnötige Toilette sicher nichts
ändern. Und ob eine sogenannte „Gästeamt-Info-Stelle“
einige 100 Meter
vom neuen Gästeamt entfernt, notwendig ist, das darf bezweifelt werden! Da
hätte ein Hinweisschild genügt.
Die Bürger, die das alles einschließlich der Zuschüsse zu finanzieren haben,
werden unbedingt die Toiletten für notwendig erachten. Berechtigte Zweifel sind
aber an dem Gesamtkonzept mit Sicherheit angebracht. Und unsere Gemeinderäte
haben schon bei der Verabschiedung des Haushalts 2010 erkennen lassen, dass sie
bereit sind, auch einmal nein zu sagen!

SZ-Bericht
vom 18.03.2010
Mehrheit spricht sich für
I-Punkt aus
WANGEN (sz) - Der Neubau des 250 000 teuren
I-Punktes und damit einer WC-Anlage mit Informationsstelle für Rad- und
Bustouristen in Wangen ist beschlossen. Bei zehn Gegenstimmen aus den Reihen
der CDU und der GOL ging der in erster Sitzung abgelehnte I-Punkt am Scherrichmühlweg jetzt im Wangener Gemeinderat durch. Statt
der zunächst geplanten Dusche soll eine weitere Toilette eingebaut werden.
Wangen - Der Neubau des 250000 Euro teuren
I-Punktes und damit einer WC-Anlage mit Informationsstelle für Rad- und
Bustouristen ist beschlossen. Bei zehn Gegenstimmen aus den Reihen der CDU und
der GOL ging der zunächst abgelehnte I-Punkt am Scherrichmühlweg
im Gemeinderat durch. Statt der erst geplanten Dusche soll eine weitere
Toilette gebaut werden.
„Wir meinen, dass es bei Abwägung aller Vor- und Nachteile nur so sein kann“,
sagte Tiefbauamtsleiter Wolfgang Friedrich im Vorfeld der Diskussion. Im von
Friedrich vorgelegten Kostenvergleich WC-Anlage und Informationsstelle mit und
ohne Radboxen zeigte sich noch einmal: 50000 Euro trennen die beiden Objekte.
Toilette statt Dusche
Allerdings ist die Lösung ohne die auch als Gepäckboxen nutzbaren und
abschließbaren Radabstellplätze nicht förderfähig und daher für die Stadt
teurer als die von der Verwaltung favorisierte 250000-Euro-Variante. Friedrich:
„Sie wird mit 50 Prozent aus dem Tourismustopf gefördert. Als Eigenanteil
verbleiben für die Stadt 125000 Euro.“ Anstelle der zunächst vorgesehenen und
nun aufgegebenen Duschgelegenheit soll eine weitere Toilette entstehen.
Grundsätzlich stelle sich die Frage, ob schon jemals jemand den Wunsch nach
Radboxen geäußert habe, sagte GOL-Stadträtin Carola Leipolz. „Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass es ein
personell betreuter I-Punkt wird und Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit
gewährleistet sind“, sagte SPD-Stadtrat Jürgen Rölli.
„Wir sollten endlich die Lokalität auf den Punkt bringen“, meinte Eduard
Kämmerle, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Es gebe in der CDU
Mitglieder, die das Projekt nach wie vor kritisch sehen würden, sagte
CDU-Fraktionsvorsitzender Paul Müller: „Die Förderkriterien werden allerdings
nicht in Wangen gemacht. Wir sind an die Kriterien gebunden. Das kommt dabei
heraus.“
Dreier übt Kritik: „Viel Geld“
Zu den Kritikern gehörte CDU-Stadtrat Wolfram Dreier: „Es besteht kein Zweifel
an der Notwendigkeit einer sinnvollen WC-Anlage und einem Unterstand für
Busreisende. Jedoch tun sich mir erhebliche Zweifel an der Verhältnismäßigkeit
der Kosten auf. 250000 Euro sind eine Summe Geld, für die sich in Wangen ein
Einfamilienhaus bauen lässt.“
Mit einer personellen Betreuung entstünde das Problem, dass ein
Versorgungsstützpunkt vor der Innenstadt geschaffen werde, sagte
Oberbürgermeister Michael Lang.
Die Frage zur Nachfrage nach Radboxen sei schwierig zu beantworten: „Der
Tourismus hat kein Sprachrohr. Im Tourismus muss man Angebote schaffen und sie
bewerben. Gäste können sich nicht im Vorfeld äußern.“
Mehrheitlich wurde am Ende der Beschlussvorschlag angenommen: Oberbürgermeister
und 18 Räte votierten dafür, zehn Stadträte stimmten dagegen. Kommentar
In unmittelbarer Nähe des jetzigen WC-Provisoriums (Container hinten) soll der
I-Punkt (auf der Fläche rechts) entstehen. Die Gesamtkosten der WC-Anlage mit
Informationsstelle für Rad- und Bustouristen am Parkplatz Scherrichmühlweg
belaufen sich auf 250000 Euro. Die Stadt erhält aus dem Topf der
Tourismusförderung einen Zuschuss von 125000 Euro. Foto: Susi Weber
SZ-Datum:
18.03.2010
Kommentar
Die
Würfel sind gefallen: Die Mehrheit der Stadträte hat sich für den Bau einer
WC-Anlage mit Radboxen am Parkplatz Scherrichmühlweg
ausgesprochen. Doch auch die Haltung der „Nein-Sager“
verdient Respekt und kann wegweisend sein für die Zukunft.
Man wird auch Nein sagen müssen
Von Susi Weber
Was wurde über ihn nicht schon alles diskutiert? Nicht nur im Gemeinderat war
der I-Punkt ein heißes Eisen. Auch die Öffentlichkeit ist gespalten in Sachen
Tourismusförderung und Nutzwert betrifft. Man kann beide Seiten verstehen: Die
der Stadtverwaltung und der Befürworter, die im durch die Radboxen
förderfähigen und größeren I-Punkt ein städtisches Einsparpotential von 75 000
Euro sehen und die der „Nein-Sager“, die das
Gesamtobjekt als zu groß geraten und zu teuer empfinden.
„Wir alle haben eine Gesamtverantwortung bei der Ausgabe öffentlicher Mittel –
egal ob kommunale, Landes- oder Bundesmittel“, sagte Stadtrat Wolfram Dreier
zur Begründung seiner Ablehnung bei der jüngsten Gemeinderatssitzung. In
wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es vielen schließlich nur schwer zu
vermitteln, dass es kommunale und „andere“ Gelder gibt, aber beides vom Bürger
durch Steuermittel getragen und finanziert werden muss. Nun aber ist die
(mehrheitliche) Entscheidung gefallen. Die „große“ I-Punkt-Lösung wird kommen.
Bei allem Für und Wider stand eines immer außer Frage: Wangen braucht an seinem
meist frequentierten und größten Parkplatz eine WC-Anlage. Und grundsätzlich
ist es Aufgabe der Stadt, nach Fördertöpfen zu schielen und sie möglichst auch
zu nutzen.
Die Diskussion um den I-Punkt hat aber auch
eines an die Oberfläche beordert: Nicht alles ist der Gemeinderat und die
Bevölkerung bereit, mitzutragen und zu schultern.
Angesichts immer leerer werdender Kassen wird man beim einen oder anderen
wünschenswerten Objekt auch einmal Nein sagen müssen. Mit Landesgartenschau, Erba- und Adler-Areal, den Veränderungen im Zusammenhang
mit der Bahn, Freibad, Lehrschwimmbecken und vielem anderen mehr stehen große
und teure Aufgaben an.